VON HELMUT SCHREIER
I.
Muss man daran erinnern, dass die Natur überall kontaminiert ist, dass unsere Spuren und die von Menschen geschaffenen toxischen Substanzen längst zu Bestandteilen der Welt geworden sind? Von »Wildnis« als einer von Menschen unberührten, gewissermaßen im ursprünglichen Naturzustand erhaltenen Gegend auf diesem Planeten zu sprechen, wäre doch absurd.
Aber das Wort »Wildnis« deutet auch auf die Möglichkeit einer sublimen Naturerfahrung hin, im Sinne jenes seelischen Ereignisses, das Immanuel Kant »erhaben« (»das Erhabene der Natur«) genannt hat. Außerhalb des deutschen Sprachraums ist die geläufige Bezeichnung des Erhabenen vom lateinischen sublimis (wörtlich: »in der Luft hängend, über der Erde schwebend«) abgeleitet. »Sublim« ist eine Erfahrung, die mich tief berührt. Collins Wörterbuch definiert: »If you describe something as sublime, you mean that it has a wonderful quality that affects you deeply.«
Wer von »Wildnis« spricht, deutet die Aussicht auf sublime Erfahrungen an. Begegnungen mit dem gestirnten Himmel, mit den Landschaften der Arktis oder dem Hochgebirge werden im Gewebe der meisten englischsprachigen und vieler deutscher »Nature Writing«-Texte zu Höhepunkten: Aus gleichsam kostbarsten Stoffen gewebte Passagen, in denen die Schreibenden ihre eigene Überwältigung durch die Magie der Begegnung in Worte zu fassen suchen.
Beim Nature Writing Festival in Hamburg (Juni 2025) wird das Wildnis-Begegnungs-Thema öfters angesprochen. Zum Beispiel berichten zwei Schreibende von ihren Exkursionen in die nahezu menschenleeren Landschaften des amerikanischen Westens und der norwegischen Spitzbergen-Inseln. Das Publikum lauscht gebannt und, so scheint mir, mit einem Anflug von Sehnsucht. Mit offenen Ohren ist man an sublimen Naturerfahrungen in fernen, grandiosen Wildnis-Landschaften beteiligt. So zeigt sich ein einfaches Muster, das womöglich die Grundstruktur allen Nature Writings darstellt: Reisende berichten von einer Reise, die sie tief berührt hat.
Das Wort »Wildnis« mit dem ihm innewohnenden Versprechen auf Natur-Begegnungen schränkt den Horizont des Sublimen allerdings ein, weil es vorzugsweise in weiter Ferne gelegene Landschaftsräume vor Augen ruft. Sollten uns kostbare, Epiphanie-artige Erfahrungen nicht auch in unseren alltäglichen, nahen Lebensräumen zugänglich sein? Sind wir nicht mit Sinnen ausgestattet, um das Wunderbare und Grandiose wahrzunehmen und es womöglich dort aufzuspüren, wo es, verschüttet unter dem Schutt des Gewohnten, versteckt und doch zugänglich liegt, ein offenbares Geheimnis?
Vielleicht wäre es möglich, die Reise nach Ixtlan oder Svalbard durch einen Waldspaziergang zu ersetzen; aber der müsste einer Pilgerfahrt gleichen, und darauf wird sich ja nicht jeder auf Anhieb verstehen. Ich schlage vor, »Nature Writing« auch als Lernprojekt zu begreifen: Wir Schreibenden und Lesenden sind miteinander unterwegs, die Natur aufs Neue lesen zu lernen. Naturerfahrungen in fernen und nahen Landschaften haben mir gezeigt, dass das Wilde überall zu finden ist. Es entspricht ja der Kompassnadel des Wilden in uns selbst. Im Nature-Writing-Diskurs vermag es das Konzept »Wildnis« womöglich zu ersetzen: »Wildness« statt »wilderness«: »In wildness is the preservation of the world« hat Henry David Thoreau gesagt: »Im Wilden liegt der Erhalt der Welt.«
II.
An dieser Stelle wechsle ich in den Modus des Geschichten-Erzählens, um die Plausibilität meines Arguments, dass uns das Wilde in vielfältigen nahen und fernen Landschaften zugänglich ist, womöglich zu steigern. Wer von der eigenen Begegnungs-Erfahrung erzählt, bezeugt deren Möglichkeit. Geschichten, die wir einander erzählen, spiegeln unsere Wirklichkeit. Barry Lopez, ein großer Nature Writer, erklärte: »Alles, was wir haben, sind Geschichten – Geschichten und ein bisschen Mitgefühl.«
Mir hat vor allem Annie Dillard dabei geholfen, den Zauber meiner natürlichen Umwelt wahrzunehmen. Dass ich morgens nach dem Aufstehen zuerst den Hauch der Luft auf dem Gesicht spüre, die Wolkenmuster am Himmel sehe und das Gemurmel der Stare aus den Bäumen höre, ist eine Angewohnheit, mit der ich Annies Definition von »Tagesnachrichten« folge. Da erklingt eine Melodie, in der – anders als in den oft deprimierenden Zeitungsmeldungen – poetische und sublime Töne angeschlagen werden. Im Buch Pilgrim at Tinker Creek erzählt Annie vom Zauber der alltäglichen Spaziergänge in einer Landschaft – dem Roanoke Tal im Staat Virginia –, die ähnlich kleinräumig und auf den ersten Blick ähnlich undramatisch erscheinen mag wie die Tal- und Mittelgebirgslandschaften Deutschlands.
Annie Dillard bestaunt die Wolken, deren Bild sich bisweilen im Wasser des Flusses spiegelt, obwohl sie am Himmel gar nicht zu sehen sind; sie nimmt Wasserproben und findet Amöben, deren feine Gestalt sie bewundert und aufzeichnet; ein Starenschwarm zieht wie eine lange Wolke eine halbe Stunde lang über sie hinweg und fällt auf Schlafbäume ein, ohne dass auch nur einer der Vögel einen anderen berühren würde; sie beschleicht Blässhühner und Bisamratten und lässt sich darauf ein, das Leben anderer Lebewesen als Verstecksuche zu verstehen; sie beschnuppert einen Monarch-Schmetterling und nimmt den Duft von Vanille wahr. Einmal beobachtet sie, wie ein Frosch von einer Riesen-Wasserwanze ausgesogen wird, sodass nur die äußere Haut wie ein leerer Beutel bleibt. Schockiert beginnt sie, den Sinn einer Welt zu diskutieren, die grandiose Freuden ebenso bereit hält wie unvorstellbare Leiden. Sie sucht alles, was ihr begegnet, durch das Studium von Büchern zu ergänzen, und zieht außer Studien zur Naturforschung auch Bibelpassagen, den Koran, den Talmud und viele Geschichten heran – von denen der Inuit bis zu denen der Chassidim.
Der Dialog, den sie zwischen Lektüre und Naturbeobachtung führt, macht das Naturgeschehen aber nicht etwa zum Beleg der durch die Lektüre gewonnenen Erkenntnisse, sondern umgekehrt fällt von den tiefsten Worten der Denker ein derart erhellendes Licht auf die physische Welt, dass die Ungeheuerlichkeit, hier zu sein, als unausweichliche Herausforderung erkennbar wird. So gebiert ihre Verhandlung zwischen Natur und Weisheit am Ende eine Art Naturfrömmigkeit.
Die englischsprachige Ausgabe von Annie Dillards Pilgrim erschien 1974 mit dem Untertitel A mystical excursion into the natural world. In jenen Jahren war ich oft auf den Abraumhalden des längst aufgelassenen Kupferschiefer-Bergbaus im Richelsdorfer Gebirge unterwegs, vor allem beim Dörfchen Iba bei Bebra im Fuldatal. Ich kletterte auf die haushohen Halden aus schwarzen Schiefer- und beigefarbenen Zechsteinbrocken, die aus einem Erdzeitalter stammen, das nach einer russischen Landschaft »Perm« genannt wird. Das Perm-Zeitalter dauerte etwa von 300 bis 250 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Ich suchte auf den Abraumhalden nach vielversprechenden Schiefer-Brocken und schlug sie seitlich mit der breiten Spitze des Hammers so auf, dass sie auseinanderbrachen. Mit Glück (unter uns Fossilienjägern waren wir uns einig, dass wir keine zuverlässige Methode kannten, die Fundfrequenz zu steigern) lag da auf beiden Seiten, wobei die eine die andere Seite spiegelte, der akkurat genaue Abdruck eines Fossils, etwa einer bärlappähnlichen Pflanze (Ullmania bronni), oder eines Fisches, den die Bergleute im Bergbau bei Mansfeld wegen seiner Häufigkeit »Mansfelder Hering« genannt haben sollen: Palaeoniscumfreieslebeni. Ein Schmelzschuppenfisch, dessen Körper mitsamt Schuppenhemd und Knorpelkopf auf dem mattschwarzen Schiefergrund glänzt. Der Fischkörper war im Lauf von Hunderten Millionen Jahren in eine sehr dünne Graphitplatte verwandelt worden – ähnlich dem Halbrelief der Rillen auf einer Schellack-Schallplatte –, die beim Auseinanderbrechen der Schieferschicht auf beiden Seiten Teile des Fossils hinterlassen hat.

Palaeoniscum freieslebeni © Helmut Schreier
Der Fund eines schön erhaltenen Fisches war für mich ein beglückendes Ereignis. Ich war mir bewusst, dass mein Blick auf das mit meinem Hammerschlag erstmals ans Licht kommende Fossil der erste eines Menschen auf diesen Beleg des Lebens in fernster Vergangenheit war: Dorthin, wo es noch keine Menschen gab und selbst Dinosaurier nur eine Idee unter vielen von Wesen waren, die in ferner Zukunft die Erde besiedeln könnten.
Wahrscheinlich ist der persönliche Wert eines solchen Fundes heutigen Lesern schwer zu vermitteln, heutzutage, wo doch in Souvenirläden und übers Internet Massen schönster Fossilien zum Kauf angeboten werden. Damals hing der Wert derartiger noch nicht zur Ware gewordener Dinge auch damit zusammen, dass man sie selber erbeutet hatte. Noch wichtiger war für mich, dass ich das Fossil als Gabe wahrnahm. Damit wurde es ein Ding, das dem Warenkreislauf auf eine schwer erklärbare, aber doch auch wohl auf eine den meisten intuitiv nachvollziehbare Weise entzogen war: Ein unverkäuflicher Fund im persönlichen Medizinbeutel.
Ich hütete mein Fossilienglück, zeigte meine Funde gern her, vermied es aber, meine Gefühle preiszugeben. Wenn ich mir doch einmal etwas in dieser Richtung entfahren ließ, stieß ich auf Kopfschütteln und Kritik (»Die Gesellschaft ist so kaputt, und da gehst du im Wald spazieren«).
1976 las ich Annie Dillards Pilgrim, machte ihre Adresse ausfindig und schickte ihr 1977 wohlverpackt eine der beiden Seiten meines schönsten Palaeoniscum freieslebeni–Fundes. Sie war inzwischen nach Lummi Island, einer Insel im Puget Sound an der Westküste, umgezogen. Von dort kam im Oktober ihr Brief voll Jubel über den Glanz und die Schönheit von »Freieslebeni« und mit der Bemerkung »Welch eine Welt, in der Menschen anderen Menschen solche Dinge schicken können!«
In unserem anschließenden über Jahre hin sporadisch verlaufenden Briefwechsel beschrieb sie die Wunder, die sie auf Reisen gesehen hatte. Begierig las ich ihre Bücher und Aufsätze und folgte ihrem Hin und Her zwischen Lobgesängen auf die grandiose Herrlichkeit der Welt und Klagen gegen die Unbarmherzigkeit des Leides, der wir Lebewesen alle ausgesetzt sind.
Zum Verständnis ihrer Art Naturfrömmigkeit ist vielleicht folgender, von ihr bei verschiedenen Gelegenheiten eingespielter Satz geeignet: »Das Universum ist nicht zum Scherz geschaffen, sondern in tiefem, unbegreiflichem Ernst.« – Eine religiös zu nennende Einstellung, die ohne Gottesdoktrin auskommt, auch wenn sie gelegentlich schreibt, man habe es da mit einem Verrückten zu tun.
Gegen Ende des Pilgrim-Texts zitiert sie Emerson, der von einem Traum erzählt, bei dem die Welt zur Größe eines Apfels geschrumpft war, – ein Engel hielt sie ihm in seiner Hand hin und forderte ihn auf, zu essen. Emerson sagt: »Und ich aß die Welt.« Da wird beim Lesen auf einmal deutlich, dass Annie in den Kreis jener naturfrommen Visionäre hineingehört, die in den Philosophie-Enzyklopädien nach dem auf sie geprägten Spott als »Transzendentalisten« bezeichnet werden, – mit einem Wort, das ihnen so viel besagt wie »Das Jenseits ist hier«: Es gibt eine andere Welt, aber sie ist in dieser Welt.
Annie (»For heaven’s sake, call me Annie!«) hat sich seit zwanzig Jahren zurückgezogen. Sie schreibt nicht mehr und bittet auf ihrer Webseite um Verständnis dafür, dass sie für niemanden mehr zu sprechen sei. Manchmal schaue ich mir bei YouTube eine Aufnahme aus dem Jahr 2015 an, in der sie doch einmal in der Öffentlichkeit erscheint, aus Anlass der Verleihung der National Humanities Medal. Präsident Obama legt ihr das Band mit der schweren Medaille über die Schultern, das Publikum applaudiert heftig, und Annie, strahlend und in die Hände klatschend wie ein Kind, winkt aus dem schützenden Kokon ihrer Isolation.
In einem ihrer Briefe hatte sie von der Reise nach Nordost-Alaska erzählt: Sehr kalt, sehr hell, sie habe an die Worte aus Johannes denken müssen: »Weshalb seid ihr in die Wildnis gekommen, was habt ihr sehen wollen? Einen fein gekleideten Mann?« Da waren vier- oder fünftausend tatsächlich aufs Feinste gekleidete Karibou. Sie fädelten sich wie Nebel die Täler hinunter und querten Millionen von Flüsschen und deren millionenfache Verflechtungen und Nebenflüsschen. Da waren zwei Fuß hohe Weidenbäume, acht Zollhohe Birken, ein Zoll hohe Rhododendren und ein halberZoll hohe Azaleen. Wenn du in deinen Gummistiefeln über die Tundra gehst, fühlst du dich wie ein Riese, oder wie in einem Flugzeug. Entfernungen verlieren ihre Berechenbarkeit, der Horizont schimmert dauernd in farbigen, bedeutungslosen Streifen: Land? See? Packeis? Nebel?
An einem Gründonnerstag gegen Ende der Siebzigerjahre kraxle ich mit dem Hammer in der Hand auf der Halde im Richelsdorfer Gebirge herum und denke an Annies Tundra-Landschaft in Alaska. Wie anders jenes Land als dies grüne Hügelgelände mit seinen von Menschen aufgehäuften Steinbergen und vielen Grünzonen: grüner Wald, grün auflaufende Saat und dazwischen eine Handvoll weißgetünchter Fachwerkhäuser mit ziegelroten Dächern! Dort wie hier derselbe Planet. Die Zahl der auf der Erdoberfläche tatsächlich auffindbaren Landschaften muss schier endlos sein, wenn man die vergangenen und versunkenen miteinschließt, von den künftig möglichen, den utopischen und dystopischen, zu schweigen. Ich stelle mir vor, am Ufer des Zechsteinmeeres zu sein, und frage mich, ob ich da überhaupt die Luft zu atmen verstünde. Wahrscheinlich hatten Blaualgen längst die Meere besiedelt, aber ob auch schon die Zeit jener unermesslichen Wälder gekommen war, die den Sauerstoff in die Atmosphäre pumpten und uns Tiere das Atmen lehrten? Ausgeschlossen, dass ich am Himmel schon ein Flugwesen sehen würde, – Saurier waren noch nicht da, und die Vögel, die aus ihnen hervorgehen sollten, noch lange nicht. Vielleicht gab es schon erste amphibische Tiere, die auf dem Strand zu kriechen verstanden. Ganz in der Nähe, in Cornberg, so hatte ich gehört, war ein Fossiliensucher auf eine Sandsteinplatte mit den Kriech-Spuren eines mausgroßen Wesens gestoßen. Aber was heißt »in der Nähe«?
Gegen Grübeleien und Anflüge von Traurigkeit hilft es, draußen zu sein und die Gegenwart der Welt wirken zu lassen, bis die Stimme des inneren Monologs schwächer wird und, überwältigt vom Anspruch der Welt, schließlich verstummt. Weit hinter den jüngeren Abraumhalden, die noch bis in die Sechzigerjahre beschickt wurden, liegen ältere, spärlich überwachsene, zum Teil Hunderte von Jahren alte. Die große Zeit des Kupferschieferbergbaus war das 18. und 19. Jahrhundert. Eine Suche nach Fossilien wäre auf den alten Halden aussichtslos, denn die Schiefer-Bruchstücke zerbröseln unter den Fingern. Zwischen den Hügeln rosten Förderbänder und Maschinenteile, der Boden ist so sumpfig, dass die tapferen Birken, die hier als einzige Bäume immer wieder Anläufe unternehmen, ein Wäldchen zu bilden, allesamt absterben, sobald sie etwa zwei Mal mannshoch gewachsen sind. Ihre Stämme sind kreuz und quer – oft ist von ihnen nur noch die Röhre der Stammesrinde erhalten – auf dem mit den Vorjahrsgräsern der blondfalben Sumpfsegge bedeckten Boden hingestreut. Jetzt im Frühjahr liegt das schwere Parfüm duftenden Seidelbasts in der Luft, über dies alte Haldenland ist das unwirklich anmutende Lila von Dutzenden blühender Seidelbaststräucher verteilt. Seidelbast ist nicht irgendeine Duftpflanze. Ihr Aroma enthält Ingredienzen, die im Zusammenwirken mit der rohen Nüchternheit der Frühjahrsluft einen Mann glatt besoffen machen können. »Aus meinem Herzen wächst der Seidelbast« schreibt Carl Zuckmayer in seinem Gedicht »Kognak im Frühling«.
6 Uhr abends, von der Dorfkirche schallt die Glocke und läutet den Feiertag ein. Ich bin hier, zwischen den alten Hügeln der Industrielandschaft mit den zerkrümelnden Platten zerfaserter Mansfelder Heringe auf dem sumpfigen, unterm Fuß schwankenden Boden, im gelben Gras und zwischen den darauf verteilten Seidelbast-Feuerstellen. Wenn ich gehe, werde ich Rebhühner aufscheuchen, die mit schnarrenden Flügeln davonschwirren werden.
III.
Sublime Naturerfahrungen sind nicht auf jene grandiosen Landschaften beschränkt, die man – mit einem leicht kolonialistisch gefärbten Wort – als »Wildnis« bezeichnet. Über Jahrzehnte habe ich – nach Annie Dillards Pilgrim – Hunderte von Nature Writing-Texten gelesen. Sie haben mich – im Sinne des Wortes »Bildung« – informiert und mich für meine Reisen in viele Länder dieses wundervollen blauen Planeten sensibel gemacht. Jede Landschaft singt ihr eigenes Lied. Überall bietet die Natur Gelegenheiten, den verborgenen, aber zugänglichen Reichtum zu belauschen.
Literatur:
Annie Dillard: Pilgrim at Tinker Creek. A mystical excursion into the natural world. Bantam Book 1974. Erste deutsche Ausgabe unter dem Titel: Der freie Fall der Spottdrossel. Stuttgart: Klett-Cotta 1996; zweite deutsche Ausgabe: Pilger am Tinker Creek. Berlin: Matthes & Seitz 2016. Übersetzung Karen Nölle.
