wie viel arbeit steckt in arbeit?

von blumenleere

was auf den ersten blick vielleicht noch wie eine relativ simpel gestrickte tautologie wirken mag, deren illustrer charme dessen ungeachtet kaum von der hand zu weisen waere & die, simultan, recht unbestritten wenigstens vage an koans & andere kernstuecke oestlicher meditationen gemahnen koennte, wird sich im anschluss als ausgangsvektor einer bezueglich ihrer grundtendenz doch eher klassisch philosophischen analyse mit etlichen avancen poetischer performanz erweisen, welche auf unterschiedliche per arbeit determinierte kategorien & konnotationen referiert.
mit diesem sich uns eroeffnenden zugang, nun, deuten wir also bereits jetzt eine wesentliche krux unserer eigenen geschichte nicht blosz an, sondern beruehren sie empfindlich. befassen wir uns naemlich mit dem begriff der arbeit per se, stellen wir schnell fest, dass es sich dabei trotz bis eventuell gar & gerade seiner alltagsueblichkeit wegen keineswegs um einen eindeutig & klar umrissenen handle, dafuer jedoch um ein ineinander uebergehendes, verlaufendes ensemble divergierender & lediglich zufaellig im selben signifkanten sich treffender & ueberlappender register aus unterschiedlichsten bereichen. ja, ihretwegen bewegen wir uns urploetzlich innerhalb eines komplexen dynamischen spektrums beziehungsweise kontinuums aus gesellschaftlich codierten taetigkeiten, verausgabungen, schoepferischen akten, strukturierungen unserer leben, metaphysischen & moralischen zuschreibungen.
halten wir es deswegen, in der hoffnung, es moege uns dadurch gelingen, das sich uns darbietende, verwirrende knaeuel aus teilweise vehement widerstreitenden bedeutungen zumindest ein klein wenig zu entwirren, vorerst scheinbar unverfaenglich & setzen mit der rein physikalischen definition daran an, sprich: leistung sei arbeit pro zeit, wobei arbeit das skalarprodukt aus kraft & weg meine, praeziser, den durch kraft entlang eines weges uebertragenen energiebetrag. arbeit messe zudem nicht jede beliebige veraenderung eines zustands, stattdessen just jene, die direkt auf eine spezifische fuer die berechnung relevante kraftwirkung zurueckgehe – ein klar bestimmbarer energietransfer zwischen system und umgebung. oder, auf unsere kontexte uebertragen: arbeit bezeichne den uns geschuldeten, messbaren anteil der umformung eines zustands in einen anderen. allerdings muessen wir das soeben skizzierte bezueglich des rahmens unserer erwerbstaetigkeiten sofort radikal weiter restringieren & zwar gen erfuellung & ueberfluegelung via kontrollierende instanzen vorgegebene erwartungswerte. das bedeutet, es reicht mitnichten aus, etwas zu transformieren, das resultat hat ziemlich exakt durch eine – maximal unter gewissen, uns guenstigen voraussetzungen insoweit nachverhandelbar plastische – praeformulierte schablone zu passen. ansonsten gilt unser vorhergegangenes tun als misslungen, gescheitert.
imaginieren wir, & dergleichen eben genau nicht dem spasze an der freude willen, eine arbeitsstelle mit folgenden eigenschaften: fixe – konstante – arbeitszeit; keinerlei zeitnaher extrinsischer anreiz, uns ueberproportional zu engagieren – à la aufstiegschancen, boni, praemien usw. usf. –; ueber diffuse taetigkeitsbeschreibungen vorgegebene zu erfuellende mindeststandards. solange keine persoenlichen intrinsischen spezifika – ansporne – vorhanden sind, etabliert sich keine motivation fuer ueberproportionale leistung – ein moment, das unser eigentliches problem mittels ueberlagerung durch letztgenannten oekonomischen faktor verbirgt: unser absitzen unwiederbringlicher wertvoller lebenszeit, weil wir sozusagen marginal ueber optionen verfuegen, ohne harsche konsequenzen abzukriegen, auszubrechen. andererseits erhalten wir dergestalt eine vor permanenter ausbeutung & uebermaeszigem unablaessigen wettbewerb schuetzende starrheit – indes: wiederum blosz ein uns taeuschender pseudovorteil, der dank ablenkung vom tatsaechlichen missstand (kapital, macht & ergo potenziale unglaublich ungleich an erschreckend wenige elemente verteilende gesamtsysteme) floriert. & gleich, aus welcher perspektive wir draufschauen: keine idealloesung hinsichtlich unserer lebensqualitaet.
woraufhin wir an dem kritischen punkt anlangen, explizit eine implizit sowieso von anfang an mitgeschwungene & -geklungene ethische dimension auszudifferenzieren, & uns mindestens damit zu konfrontieren haben, inwiefern wir besten wissens & gewissens hinter unseren uns durchaus zu devoten instrumenten fremder vorgaben transformierenden aufgabenbereichen respektive saemtlichen mit denselben assoziierten & darauf aufbauenden groeszeren komplexen stehen moechten: unterwuerfig empfangen wir darin einen fulminanten katalysator fuer prekaere situationen & eklatante rollenkonflikte – das hehre fanal der subversion, dahingegen, ersticke uns sang- & klanglos unter oeden gleichfoermigkeiten uns aussaugender, gefuehlt ewig andauernder phasen.
entsprechend nicht selten aus mannigfachen gruenden ueberlastet & hektisch oszillierend an unsere toleranzgrenzen gebracht, arbeiten wir moeglicherweise deutlich zu konzentriert daran, uns zur befaehigung, unsere lohnarbeit ueberhaupt zu bewaeltigen & auszuhalten, zu noetigen, & vernachlaessigen, komplementaer, zusehends, uns unseren traeumen & wuenschen gemaesz zu erfuellen. das korsett der uns umschlingenden gesetzgebungen & konventionen puffere & unterstuetze uns hierbei nicht signifikant, vielmehr modelliere erst es den uns schier unangreifbar anmutenden standard unserer abhaengigkeitsverhaeltnisse. auch befeuern & staerken mitunter verpoente kurzfristige, purem atemholen dienende notloesungen – blaumachen, stellenwechsel, ueberschaubare auszeiten, gelegentliche exzesse, wellnessmodule etc. – letztlich vornehmlich die uns versklavenden schemata, da in ihren realisierungen eh kategorisch beruecksichtigt.
& obwohl unsere quasi qua unsere existenzen zu tatsaechlichen, unsrerseits wahrgenommenen aufenthalten avancierenden daseinsberechtigungen von auszen minuzioes kanalisiert, verengt, rhythmisiert & ritualisiert sind, solle es nichtsdestotrotz allein uns obliegen, die uns schwindenden verbleibenden nischen mithilfe uns, uns – gezielte, kalkulierte schuldumkehr – faelschlicherweise voelliger eigenverantwortlichkeit bezichtigend, mutwillig zugetrauten selbstmanagements zu nutzen &, aus unseren noeten tugenden machend, auszugestalten. darueber hinaus – dies nebenbei – kaempfen sogenannte selbststaendige ebenfalls gegen identische grundprinzipien, selbst wenn sie fesseln & manipulationen indirekter spueren.
das progressive uebergreifen sonderbar verzerrter vorstellungen von notwendigem & angebrachtem verhalten sowie prozedere ins private laesst uns am ende des tages ueber die zahlen auf unseren konten verzweifeln. die fragilen strohhalme, an die wir uns klammern – par exemplum einigermaszen ausgesorgt haben & primaer uns zusagendem froenen –, erfahren automatisch & unvermeidbar kontaminierung durch die uns jahrelang aufgelasteten buerden diverser konditionierungen, schlicht ergreifend genuegend zu funktionieren. & befreien wir uns mit glueck dann doch irgendwann ausreichend davon, erschoepft froh darueber, ausnahmsweise ungestoert ruhen zu duerfen, klopft der tod an unsere tueren. nein, wir erarbeiten uns keine mystischen jungbrunnen, legendaeren sonderpositionen & ewigen magischen palaeste – o, & meist nicht einmal nennenswerte kompetenzen auszerhalb unserer uns diminuierenden & isolierenden boxen zu denken, weswegen wir uns etwaige luecken & schlupfloecher zu erkennen & verwenden nicht befaehigen: die utopien der jugend versanden in freiheit umwerbenden uniformen.
& kehren wir zurueck zur initialen frage, konstatieren wir traurig beschaemt, wir ignorierten ungewollt die schoeneren, nahezu ausschlieszlich uns zugehoerenden & zustehenden dimensionen & seiten von arbeit, indem wir der uebermaechtigkeit uns unsere schritte aufoktroyierender normen stattgaben & beantworten sie, womoeglich, mit zu viel.

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